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Arsen im Trinkwasser


Alles schaut zur Zeit auf Japan und Lybien, doch auch unterhalb des Subkontinents Indien bahnt sich eine neue Menschheits- und Umweltkatastrophe an. Über 50 Millionen Menschen sind derzeit in Bangladesch durch arsenhaltiges Trinkwasser bedroht. Die Opferzahlen steigen stetig an und ein Ende der Misere ist bisher nicht abzusehen. Die Vergiftung durch Arsen im Trinkwasser verläuft schleppend, verspricht aber den sicheren Tod. Bereits in den Siebzigern wurden dank internationaler Hilfe millionen von Brunnen angelegt. Darauf vielen etwa 70 Prozent für den kommerziellen und industriellen Sektor, sowie 30 Prozent für die Errichtung von privaten Hausbrunnen. Viele Menschen schöpften das Wasser vorher teilweise aus Rinnsteinen oder tranken richtiges Brackwasser, welches schon ewig lang stand und stank. Was keiner ahnte, im Grundwasser hatte sich über Generationen Arsen aus dem Mutterboden angesammelt. Kaum wurden Wasserproben genommen, geschweige denn Langzeitstudien zu Rate gezogen. Arsen-haltiges bzw. arsenverseuchtes Wasser war auf einmal für Millionen von Menschen verfügbar. Nicht einmal das persönliche Risiko ist den Menschen vor Ort bekannt, geschweige denn, bewusst. Die WHO hat einen Grenzwert von 10 mmg auf den Liter Trinkwasser als Norm festgelegt. Die tatsächlich schädigende Belastung liegt aller Wahrscheinlichkeit deutlich da drüber. In Bangladesch durchgeführte Stichproben ergaben jedoch teilweise das 100-1000 fache. Arsenvergiftung ist eine tickende Zeitbombe. Leichte Hautanomalien kann das menschliche Immunsystem über einen längeren Zeitraum bewältigen bis der Ausschlag jedoch unweigerlich in einer unheilbaren Krebskrankheit mündet, die mit einem qualvollen Tod endet. Eine zeitnahe Lösung des Problems auf Grund seiner überdimensionalen Tragweite ist leider noch nicht in Sichtweite. Doch es scheint Hoffnung zu geben: Umweltmikrobiologen der Uni Leipzig haben ein raffiniertes und kostengünstiges Verfahren entwickelt, mit dem man Arsenpartikel im Wasser sichtbar machen kann. Gen-manipulierte Kolibakterien, welche eine fluoreszierenden Eigenschaft besitzen, werden mit Arsen in Verbindung gebracht. Bei dieser Reaktion wehrt sich das Kolibakterien-Molekül und fängt an zu leuchten. Dieses Gen entstammt einer Mikrobe, die nur in der Tiefsee aufzufinden ist und nun den Anfang für die Vermeidung einer menschlichen Katastrophe Dienst tun soll. Der Arsen-Test ist einfach und günstig und kann von jedermann vorgenommen werden. Gibt der Biosensor Licht ab, mehr oder weniger, je nach Arsenkonzentration, brauchen die Menschen nur zu einem anderen Brunnen gehen, von denen auch mittlerweile genügend schadstoffarme in Bangladesch zur Verfügung stehen

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